In diesem Theaterstück,
das anders als die vier ersten Stücke nur in deutscher Sprache verfass
ist, begleiten wir die römischen Jugendlichen Decimus, Sempronia und
Julia auf den Sklavenmarkt. Decimus soll im Auftrag des Vaters einen neuen
Sklaven für einen ausgefallenen Sänftenträger kaufen, der
sich einen Bruch gehoben hat. Auf dem Markt treffen wir einen Sklavenhändler,
der sich über das schlecht gehende Geschäft beklagt („die Römer
gewinnen einfach zu viele Kriege, es gibt ein Überangebot an Sklaven
auf dem Markt!“). Er versucht einen griechischen Sklaven, der Buchhalter
war, als Privatlehrer an die „Frau und Tochter“ zu bringen. Da ist
ihm das Glück hold: Er bekommt aus einer neuen Lieferung ein paar
blonde Germanen und Germaninnen, die im Moment in Rom hoch im Kurs stehen!
Als Decimus bei dem Sklavenhändler eine der Germaninnen sieht, interessiert
ihn natürlich der Auftrag des Vaters überhaupt nicht mehr...
Probeseite (aus technischen Gründen entspricht das Layout nicht dem Druck im Heft)
6. Szene
Decimus (kommt
mit Sempronia und Julia auf dem Sklavenmarkt an und sagt zu ihnen:) So,
da wären wir. Ich bin mal gespannt, ob wir etwas
Passendes finden.
Sklavenhändler
(wird auf die drei aufmerksam:) Einen schönen guten Morgen, meine
jun-gen Herrschaften. Schon so früh auf den Beinen? Da
sage mal einer, mit der römi-schen Jugend sei nichts mehr los!
Decimus:
Ersparen Sie sich Ihre Rede zur „Lage der Nation“. Ehrlich gestanden wäre
ich viel lieber noch im weichen, warmen Bett.
Sklavenhändler
(zu den beiden Mädchen): Was sieht mein entzücktes Auge!? Welche
Schönheiten hier auf dem Sklavenmarkt! Ich komme
mir vor, als ob hier der Schön-heitswettbewerb „Miss Roma“ stattfindet.
Julia: Sie haben
Geschmack, mein Herr! Ein Mann von Welt!
(zu Decimus:) Siehst Du, Decimus, endlich mal ein Gentleman, der unsere
wahren Werte erkennt.
Decimus:
So ein Gesülze!Blablabla!
(zum Sklavenhändler:) Kommen wir zum Geschäftlichen! Ich suche
einen kräftigen Sklaven für das Sänftentragen. Haben Sie
etwas
Passendes? Aber bitte nur gute Qua-lität! Der letzte Sänftenträger
war nämlich eine Fehlinvestition, der ist schon nach kurzer Zeit
ausgefallen.
Sklavenhändler:
Den haben Sie bestimmt bei der Konkurrenz gekauft. Ich liefere nur einwandfrei
Ware mit garantierter Qualtiät! Nur
handverlesene Exemplare mit schar-fer Qualtitätskontrolle! Man könnte
sagen: TÜV-geprüft! Wir sind übrigens Spezialisten
für Sänftenträger. Und wie der Zufall es will: Gerade frisch
eingetroffen: Riesen-Kerle aus Germanien mit Bären-Kräften. Billig
und anspruchslos in der Unterhaltung mit langer Laufleistung. Die tragen
eine Sänfte von morgens bis abends ohne Pause!
Kommen Sie, wir schauen uns die Exemplare einmal genauer an!
(Alle gehen zu den germanischen Sklaven. Der Sklavenhändler weist
auf den Sklaven mit dem „F“.)
Hier habe ich das absolute Sonderangebot. Gehen Sie ruhig hin und sehen
Sie sich in genau an!
Decimus (untersucht
den Sklaven genau, prüft die Muskeln, Beine, Füße und ...
die Zähne und lässt sich von ihm über die Bühne tragen.):
Na ja, der scheint in Ordnung zu sein. Allerdings gibt es da einen Haken.
Das „F“ zeugt ja nicht unbedingt von Zuverlässigkeit. Da
geht man morgens mit 4 Trägern aus dem Haus und kommt abends nur mit
3 zurück.
Sklavenhändler
(beschwichtigend): Keine Sorge, der hat seine Lektion gelernt und läuft
nicht wieder weg. Zudem bekommen Sie ihn für einen
Spottpreis. Sie zahlen für ihn nur 100 Denare! So ein Angebot gibt
es nirgendwo und nie wieder!
Decimus:
Ich schaue mir lieber noch andere Sklaven an. Was haben Sie denn noch?
(Der Sklavenhändler winkt den zweiten Germanen [Sklaven 2] nach vorne.
Zusammen mit ihm tritt auch die Germanin [Sklavin 1] vor.)
(voller Entzücken:) Das ist es. So etwas habe ich schon lange gesucht.
Julia (schwärmend):
O toll!
Sklavenhändler:
Das meine ich auch. Dieser Germane wird die Sänfte fast ganz alleine
tragen! Eine gute Wahl!
Decimus:
Ich meine doch gar nicht den Germanen da -
Julia (schwärmend):
Ich aber schon... Ist der Typ nicht einfach toll!?
Sklavenhändler
(verwirrt): Jetzt verstehe ich überhaupt nichts mehr. Wer meint wen
oder was?
Decimus:
Ich meine die blonde Germanin an seiner Seite. Ich bin ganz hin und weg.
Das muss wahre Liebe sein!
Sempronia:
Halt, mein lieber Decimus! Du sollst einen Sklaven für die Sänfte
kaufen. Was willst Du mit dieser Blondine da?